Archiv für die Kategorie 'Usability'

Kenne Deinen Kunden - Mobile Geräte oder mobiler Unsinn?

Donnerstag, 05. Mai 2005

Es gibt drei Arten, mit einem Kunden und seinen Bedürfnissen umzugehen: 1) Man ignoriert ihn. 2) Man glaubt zu wissen, was für ihn gut ist. 3) Man fragt ihn, was er sich wünscht und für gut hält. Für die Nr. 1 ist die Musikindustrie ein gutes Beispiel, die jahrelang nicht daran interessiert war, dass Kunden ihre Musik online beziehen möchten. Sie wird dafür immer noch hart bestraft. Die Nummer 3 soll uns nicht weiter interessieren, denn Unternehmen, die mit ihren Kunden Kontakt halten, machen alles richtig. Als ein Beispiel für die Nr. 2 sieht Scott Jenson in seinem Artikel “Stop Selling $100 Lemonade” Hersteller von mobilen Endgeräten. In diesem Industriesektor sei der Ausgangspunkt aller Überlegungen für neue Handies, Smartphones, Organizer etc. allzu oft immer noch die Steigerung des ARPU (average revenue per user), also die Gewinnmaximierung pro Nutzer. Er nennt diese Haltung die “WAP-Attitude”, denn die Entwicklung, Einführung und anschließende Nicht-Verbreitung und Nicht-Nutzung von WAP sei ein schlagendes Beispiel dafür, welche Absurditäten ganze Industrien hervorbringen können, wenn man die Bedürfnisse der Nutzer nicht bereits in frühen Projektphasen ermittelt.

jenson Design: Stop Selling $100 Lemonade!

Usability ist nötig - Stöberer oder megastrukturiert?

Montag, 10. Januar 2005

Werden wir durch moderne Geräte wie Handies, Organizer, Computer wirklich immer organisierter und strukturierter? Wollen wir uns überhaupt von Geräten in unserer persönlichen Organisation unterstützen lassen? Und wie wirken sich aktuelle drahtlose Geräte auf unseren persönlichen Umgang mit Informationen aus?

Die Forscher und Forscherinnen Patrick W. Jordan, Lauren A. Peacock, Dominik Chmielewski und Scott Jenson sind diesen Fragestellungen in einer kurzen Studie (engl.; PDF) nachgegangen. Die überraschende Erkenntnis: Menschen sind nicht nur sehr unterschiedlich organisiert, sondern auch sehr widerständig, wenn es um einen Wechsel in ihrem Organisationsgrad geht. Trifft ein Mitglied der “Happy Disorganized” auf ein Handy oder Smartphone, das zwar die perfekte Organisation ermöglicht, aber eine schlechte Usability für seine Bedürfnisse bietet, ist der Konflikt vorprogrammiert.

jenson Design: Disorganization and How to Support it

Wider die Unart, neue Fenster zu öffnen

Dienstag, 27. Juli 2004

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach; und der Mensch nach Schopenhauer nur ein zerstäubender Tropfen in einem tobenden Wasserfall. Aber: ist das ein aus- oder hinreichender Grund, nicht nachzudenken, nicht intelligent zu sein, nicht menschenfreundlich zu handeln? Wohl kaum! Deshalb, liebe Programmierer, liebe Web-Designer, liebe Content Manager: öffnet nicht ständig neue Fenster, benutzt nicht den HTML-Tag target="_blank" und schon gar nicht den Javascript-Schnipsel window.open! Eine Website sollte dem Nutzer / der Nutzerin niemals (in Worten: niemals) ein neues Fenster aufzwingen. Warum nicht? Darum:

  • Ob neues Fenster oder nicht, ist Sache der Nutzerin.
  • Wie jemand seinen Browser benutzt, ist seine Sache.
  • Neue Fenster verlieren den Verlauf der vorangegangenen Fenster.
  • Der Nutzer will selten ein neues Fenster.
  • Neuere Browser blockieren Pop-Ups.
  • Eine gute Website hat es nicht nötig, st�ndig neue Seiten zu öffnen (beim Fernsehen zappen wir ohne Probleme zwischen verschiedenen Anbietern - mit nur einem Bildschirm).
  • Neue Fenster beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit des Nutzers und schränken die Nutzbarkeit von Seiten ein.
  • Neue Fenster sollten die (seltene) Ausnahme von der Regel sein.
  • Javascript funktioniert nicht immer (schon gar nicht, wenn es der Nutzer ausgeschaltet hat).
  • Mit Javascript geöffnete Seiten lassen sich schwerer auswerten.
  • Neue Fenster widersprechen dem Grundgedanken von H(yper)T(ext)ML.
  • Das target-Attribut ist in XHTML 1.1 nicht mehr relevant und als “deprecated” (=abgelehnt) eingestuft.
  • Valide target-Attribute funktionieren nur in modernen Browsern.

Conclusio: Das Öffnen von neuen Fenstern ist veraltet, verärgert die Seitenbesucher und bringt wenig Vorteile. Deshalb: sein lassen.

(Dieser Beitrag folgt den Ausführungen von Jesper Tverskov auf seiner Seite www.smackthemouse.com

Bleib ruhig, mach es zur Routine, konzentrier’ Dich auf Deine Sache

Montag, 19. Juli 2004

Im Deutschen gibt es den schönen Terminus “Versuchskaninchen”. Die Assoziationen mit diesem Begriff sind selten besonders positiv. Und doch fühlen sich Testpersonen bei Usability-Tests häufig wie ebensolche Versuchskaninchen. Merkwürdige Usability-”Labore”, verspiegelte Scheiben, unheimliche Gerätschaften, merkwürdig formal daherkommende Gesprächspartner, ja sogar an Science-Fiction-Filme der 60er erinnernde Helme - all das wird Probanden zugemutet, die so tatsächlich zu hilflosen Kaninchen gemacht werden.

Erfolgreiche und effiziente Usability-Tests sehen anders aus. Stressfreie Umgebung, menschenfreundliche Testabläufe, kein aufgeladenes großes Ereignis, Alltäglichkeit pur. Werden die so gewonnenen Erkenntnisse schnell, regelmäßig und konzentriert in die weitere Produktentwicklung integriert, wird Usability zu einem schlagkräftigen Werkzeug der Produktoptimierung. Janice Fraser schreibt über Usability als “low-stress activity” und die notwendige Entwicklung einer “Usability Culture”.

Zum Artikel: The Culture of Usability. How to spend less and get more from your usability-testing program (engl.)

Wie Leser im Netz lesen

Freitag, 02. April 2004

Lesen ist nicht gleich lesen: auf einer säure- und flimmerfreien Buchseite kann man ganz anders lesen als auf einem Laptop-Bildschirm. Oder lesen Sie ganze Bücher als PDF am Bildschirm?
John Morkes und Jakob Nielsen haben in ihrem Aufsatz Concise, SCANNABLE, and Objective: How to Write for the Web bereits 1997 wissenschaftlich untersucht, was da eigentlich geschieht, wenn man im Web liest (und wie man aufgrund dieser Tatsachen schreiben sollte).