Archiv für die Kategorie 'Konzeption / IA'

Webseiten - anders gesehen

Freitag, 02. Juni 2006

Eine andere Brille aufsetzen, die Perspektive wechseln, in die Mokassins des anderen schlüpfen: es gibt im Deutschen viele Beschreibungen dafür, wie man Dinge anders betrachten kann. Dennoch ist es dann doch oft schwerer getan als gesagt. Gerade im Projektmanagement ist es oft schwer, alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass der ‘normale’ Webseitenbesucher zumeist eben nicht der Super-Power-User ist, den man sich wünscht. Einfachheit, Übersichtlichkeit, Zurückhaltung, Eingängigkeit fehlt vielen Webseiten deshalb.

Ein schönes Projekt zeigt, wie eine Maschine / eine Software Webseiten ’sieht’: Websites as Graphs Links abgebildet ist die Struktur von house of user.

Auf der zugehörigen flickr-Seite sprießen die Webseiten wie Pilze. Das Netz wird zum Myzel.

Die 10/20/30 Regel für Powerpoint-Präsentationen

Dienstag, 03. Januar 2006

Usability beginnt ganz einfach, zum Beispiel so: 10 / 20 / 30. Will heißen: Eine Powerpoint-Präsentation sollte maximal aus 10 Folien bestehen, nicht länger als 20 Minuten dauern und keine Schrift enthalten, die kleiner als 30 Punkte ist. So schreibts Guy Kawasaki, und man kann ihm nur uneingeschränkt beipflichten. Wie soll ein gutes (Software)-Produkt entstehen, wenn ein (fiktives ;-) Unternehmen bereits in seinen internen Meetings unfähig ist, solche simplen Regeln zu praktizieren?

Eine andere sehr schöne Präsentationsregel von Guy Kawasaki für all jene, denen die 30-Punkt-Regel zu dogmatisch erscheint: “Find out the age of the oldest person in your audience and divide it by two. That’s you’re optimal font size.” (Die Regel gilt übrigens nicht nur, wenn man die Präsentation mit Powerpoint macht, sondern auch in OpenOffice und Keynote…)

Guy Kawasaki: The 10/20/30 Rule of PowerPoint (engl.)

Kenne Deinen Kunden - Mobile Geräte oder mobiler Unsinn?

Donnerstag, 05. Mai 2005

Es gibt drei Arten, mit einem Kunden und seinen Bedürfnissen umzugehen: 1) Man ignoriert ihn. 2) Man glaubt zu wissen, was für ihn gut ist. 3) Man fragt ihn, was er sich wünscht und für gut hält. Für die Nr. 1 ist die Musikindustrie ein gutes Beispiel, die jahrelang nicht daran interessiert war, dass Kunden ihre Musik online beziehen möchten. Sie wird dafür immer noch hart bestraft. Die Nummer 3 soll uns nicht weiter interessieren, denn Unternehmen, die mit ihren Kunden Kontakt halten, machen alles richtig. Als ein Beispiel für die Nr. 2 sieht Scott Jenson in seinem Artikel “Stop Selling $100 Lemonade” Hersteller von mobilen Endgeräten. In diesem Industriesektor sei der Ausgangspunkt aller Überlegungen für neue Handies, Smartphones, Organizer etc. allzu oft immer noch die Steigerung des ARPU (average revenue per user), also die Gewinnmaximierung pro Nutzer. Er nennt diese Haltung die “WAP-Attitude”, denn die Entwicklung, Einführung und anschließende Nicht-Verbreitung und Nicht-Nutzung von WAP sei ein schlagendes Beispiel dafür, welche Absurditäten ganze Industrien hervorbringen können, wenn man die Bedürfnisse der Nutzer nicht bereits in frühen Projektphasen ermittelt.

jenson Design: Stop Selling $100 Lemonade!

Usability ist nötig - Stöberer oder megastrukturiert?

Montag, 10. Januar 2005

Werden wir durch moderne Geräte wie Handies, Organizer, Computer wirklich immer organisierter und strukturierter? Wollen wir uns überhaupt von Geräten in unserer persönlichen Organisation unterstützen lassen? Und wie wirken sich aktuelle drahtlose Geräte auf unseren persönlichen Umgang mit Informationen aus?

Die Forscher und Forscherinnen Patrick W. Jordan, Lauren A. Peacock, Dominik Chmielewski und Scott Jenson sind diesen Fragestellungen in einer kurzen Studie (engl.; PDF) nachgegangen. Die überraschende Erkenntnis: Menschen sind nicht nur sehr unterschiedlich organisiert, sondern auch sehr widerständig, wenn es um einen Wechsel in ihrem Organisationsgrad geht. Trifft ein Mitglied der “Happy Disorganized” auf ein Handy oder Smartphone, das zwar die perfekte Organisation ermöglicht, aber eine schlechte Usability für seine Bedürfnisse bietet, ist der Konflikt vorprogrammiert.

jenson Design: Disorganization and How to Support it

Wider die Unart, neue Fenster zu öffnen

Dienstag, 27. Juli 2004

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach; und der Mensch nach Schopenhauer nur ein zerstäubender Tropfen in einem tobenden Wasserfall. Aber: ist das ein aus- oder hinreichender Grund, nicht nachzudenken, nicht intelligent zu sein, nicht menschenfreundlich zu handeln? Wohl kaum! Deshalb, liebe Programmierer, liebe Web-Designer, liebe Content Manager: öffnet nicht ständig neue Fenster, benutzt nicht den HTML-Tag target="_blank" und schon gar nicht den Javascript-Schnipsel window.open! Eine Website sollte dem Nutzer / der Nutzerin niemals (in Worten: niemals) ein neues Fenster aufzwingen. Warum nicht? Darum:

  • Ob neues Fenster oder nicht, ist Sache der Nutzerin.
  • Wie jemand seinen Browser benutzt, ist seine Sache.
  • Neue Fenster verlieren den Verlauf der vorangegangenen Fenster.
  • Der Nutzer will selten ein neues Fenster.
  • Neuere Browser blockieren Pop-Ups.
  • Eine gute Website hat es nicht nötig, st�ndig neue Seiten zu öffnen (beim Fernsehen zappen wir ohne Probleme zwischen verschiedenen Anbietern - mit nur einem Bildschirm).
  • Neue Fenster beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit des Nutzers und schränken die Nutzbarkeit von Seiten ein.
  • Neue Fenster sollten die (seltene) Ausnahme von der Regel sein.
  • Javascript funktioniert nicht immer (schon gar nicht, wenn es der Nutzer ausgeschaltet hat).
  • Mit Javascript geöffnete Seiten lassen sich schwerer auswerten.
  • Neue Fenster widersprechen dem Grundgedanken von H(yper)T(ext)ML.
  • Das target-Attribut ist in XHTML 1.1 nicht mehr relevant und als “deprecated” (=abgelehnt) eingestuft.
  • Valide target-Attribute funktionieren nur in modernen Browsern.

Conclusio: Das Öffnen von neuen Fenstern ist veraltet, verärgert die Seitenbesucher und bringt wenig Vorteile. Deshalb: sein lassen.

(Dieser Beitrag folgt den Ausführungen von Jesper Tverskov auf seiner Seite www.smackthemouse.com