Archiv für Juli, 2004

Wider die Unart, neue Fenster zu öffnen

Dienstag, 27. Juli 2004

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach; und der Mensch nach Schopenhauer nur ein zerstäubender Tropfen in einem tobenden Wasserfall. Aber: ist das ein aus- oder hinreichender Grund, nicht nachzudenken, nicht intelligent zu sein, nicht menschenfreundlich zu handeln? Wohl kaum! Deshalb, liebe Programmierer, liebe Web-Designer, liebe Content Manager: öffnet nicht ständig neue Fenster, benutzt nicht den HTML-Tag target="_blank" und schon gar nicht den Javascript-Schnipsel window.open! Eine Website sollte dem Nutzer / der Nutzerin niemals (in Worten: niemals) ein neues Fenster aufzwingen. Warum nicht? Darum:

  • Ob neues Fenster oder nicht, ist Sache der Nutzerin.
  • Wie jemand seinen Browser benutzt, ist seine Sache.
  • Neue Fenster verlieren den Verlauf der vorangegangenen Fenster.
  • Der Nutzer will selten ein neues Fenster.
  • Neuere Browser blockieren Pop-Ups.
  • Eine gute Website hat es nicht nötig, ständig neue Seiten zu öffnen (beim Fernsehen zappen wir ohne Probleme zwischen verschiedenen Anbietern – mit nur einem Bildschirm).
  • Neue Fenster beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit des Nutzers und schränken die Nutzbarkeit von Seiten ein.
  • Neue Fenster sollten die (seltene) Ausnahme von der Regel sein.
  • Javascript funktioniert nicht immer (schon gar nicht, wenn es der Nutzer ausgeschaltet hat).
  • Mit Javascript geöffnete Seiten lassen sich schwerer auswerten.
  • Neue Fenster widersprechen dem Grundgedanken von H(yper)T(ext)ML.
  • Das target-Attribut ist in XHTML 1.1 nicht mehr relevant und als “deprecated” (=abgelehnt) eingestuft.
  • Valide target-Attribute funktionieren nur in modernen Browsern.

Conclusio: Das Öffnen von neuen Fenstern ist veraltet, verärgert die Seitenbesucher und bringt wenig Vorteile. Deshalb: sein lassen.

(Dieser Beitrag folgt den Ausführungen von Jesper Tverskov auf seiner Seite www.smackthemouse.com

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Bleib ruhig, mach es zur Routine, konzentrier’ Dich auf Deine Sache

Montag, 19. Juli 2004

Im Deutschen gibt es den schönen Terminus “Versuchskaninchen”. Die Assoziationen mit diesem Begriff sind selten besonders positiv. Und doch fühlen sich Testpersonen bei Usability-Tests häufig wie ebensolche Versuchskaninchen. Merkwürdige Usability-”Labore”, verspiegelte Scheiben, unheimliche Gerätschaften, merkwürdig formal daherkommende Gesprächspartner, ja sogar an Science-Fiction-Filme der 60er erinnernde Helme – all das wird Probanden zugemutet, die so tatsächlich zu hilflosen Kaninchen gemacht werden.

Erfolgreiche und effiziente Usability-Tests sehen anders aus. Stressfreie Umgebung, menschenfreundliche Testabläufe, kein aufgeladenes großes Ereignis, Alltäglichkeit pur. Werden die so gewonnenen Erkenntnisse schnell, regelmäßig und konzentriert in die weitere Produktentwicklung integriert, wird Usability zu einem schlagkräftigen Werkzeug der Produktoptimierung. Janice Fraser schreibt über Usability als “low-stress activity” und die notwendige Entwicklung einer “Usability Culture”.

Zum Artikel: The Culture of Usability. How to spend less and get more from your usability-testing program (engl.)

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